Henning Faber hat im Mai die Nachfolge von Norbert Galonska beim TuS Wermelskirchen angetreten.
Kneipenabende nach dem Training seien Geschichte sagt der neue Vorsitzende. An das Vereinsleben glaubt er trotzdem. Als Henning Faber vor fast 30 Jahren zum ersten Mal beim TuS Wermelskirchen an die Tür klopfte, da sah die Vereinswelt noch anders aus. „Ich suchte damals eine Hobbytruppe zum Fußballspielen“, erzählt er. Mehr als 30 Jahre lang hatte er Tischtennis beim WTV gespielt. Er kannte das Vereinsleben und er schätzte die Kameradschaft unter Sportlern.
Als Faber damals beim TuS ankam, zog Norbert Galonska schon die Fäden im Verein. „Das waren noch die Zeiten, als wir uns abends nach dem Training noch in der Kneipe trafen und einmal im Jahr ein großes Vereinsfest feierten“, sagt Henning Faber und lacht. Er wurde heimisch im TuS, kandidierte schon 1999 als stellvertretender Geschäftsführer des Sportvereins und scheute sich nicht, Verantwortung zu übernehmen. „In der zweiten Reihe“, sagt der 65-jährige. „Da habe ich mich immer wohl gefühlt“.
In diesem Frühsommer rief dann aber die erste Reihe nach Aufmerksamkeit: Denn Norbert Galonska hatte seinen Rückzug als Vorsitzender angekündigt - nach 35 Jahren. „Ich hätte nicht unbedingt Vorsitzender werden wollen“, sagt Henning Faber. Aber es war wie so oft: Einer musste es machen und Henning Faber kannte das Geschäft. „Ich will ja, dass es im TuS weitergeht“, erklärt er seine Motivation.
Die Zeiten der Kneipenabende sind vorbei, auch große Vereinsfeste stehen schon seit etlichen Jahren nicht mehr im Jahresprogramm. „Sportvereine haben sich verändert“, sagt der neue TuS-Vorsitzende und denkt dabei auch an die Entwicklung des Gesundheitssportes. Als die Krankenkassen das Kursangebot der Sportvereine für sich entdecken, entstand ein neuer Zweig. Schon seit rund 20 Jahren bietet der TuS Herzsport an. Inzwischen ist die Liste der Gesundheits- und Rehasportangebote lang. „Wir sind Dienstleister geworden“, sagt Henning Faber. Von orthopädischen Problemen bis zur Krebsnachsorge: Die Übungsleiter im TuS haben etliche neue Kurse ins Leben gerufen. „Das ist für uns als Verein zwar viel Verwaltungsaufwand und bringt auch einen hohen Informationsbedarf mit sich. Aber es ist auch ein ganz wichtiger Teil unserer Arbeit geworden“, sagt der Vorsitzende. Er ist dankbar für den Einsatz der Übungsleiter und ihre Lust, sich weiterzubilden und immer neue Themen mitzutragen. Niemand solle auf der Strecke bleiben. Dafür sei der Verein im Einsatz - und deswegen können an den Gesundheitskursen auch Menschen teilnehmen, die keine Vereinsmitgliedschaft haben.
„Das Herzstück des Vereins bleibt aber der Breitensport“ sagt Henning Faber. Auch nach fast 30 Jahren spielt er noch in der Hobby-Fußballmannschaft. „Dann kann Verein auch bedeuten: Freunde zu finden und echte Gemeinschaft zu erleben“, sagt der Vorsitzende - der gleichzeitig die Fußballabteilung leitet. Beim TuS gebe es viele dieser Gruppen, die seit Jahren oder Jahrzehnten bestünden. Vom Damen-Turnen bis zum Basketball: Da wird dann auch mal ein Sektchen in fröhlicher Runde getrunken, wenn es etwas zu feiern gibt. „Wir achten aufeinander“ sagt Faber und weiß um die wichtige Funktion der Vereine für den sozialen Zusammenhalt. Er weiß aber auch: „Damit wir das erhalten können, müssen wir in die Zukunft investieren“. Deswegen hat er mit seinen Vorstandskollegen - die teilweise auch ganz frisch in der ersten Vereinsreihe stehen - schon manches auf den Weg gebracht. Gerade startet eine neue Kampagne, um neue Mitglieder zu werben - es gibt Plakate und eine neue Internetseite. „Dabei denken wir auch an die Teilnehmenden aus unseren Gesundheits- und Rehakursen“, sagt er und deutet auf die großen Plakate, auf denen die Vorteile einer Mitgliedschaft aufgezählt sind. Dazu gehören Kooperationen mit heimischen Betrieben, die für Mitglieder Nachlässe ermöglichen. “Diese Kooperationen wollen wir weiter ausbauen“, kündigt Faber an.
Gleichzeitig wirbt der TuS um Übungsleiter-Nachwuchs. „Wir sprechen junge Menschen ganz bewusst an und freuen uns immer wieder pubertär positive Rückmeldungen“, berichtet der TuS Vorsitzende. Jugendliche starten als Assistenz in Kindergruppen. Es gebe auch immer mal wieder Interessierte, die ihr sportliches Hobby zum Beruf machen: Wer entsprechend viele Kurse beim TuS übernimmt, kann damit auch gutes Geld verdienen.
Und wie sieht die sportliche Zukunft beim TuS aus? „Wir stehen gerade vor der Gründung einer neuen Darts-Abteilung“, erzählt Henning Faber und freut sich auf das neue Angebot. Ein Fußballturnier ist geplant. Und das Handballangebot soll ausgebaut werden - teils in Kooperation mit der Handballgemeinschaft Remscheid. „Ich habe die großen Handballzeiten bei uns im Verein selbst miterlebt“, erzählt er und erinnert an den Spielbetrieb in der dritten Liga und später an die Zusammenarbeit mit den Bergischen Panthern. „Heute konzentrieren wir uns im Handball auf den Kinder- und Jugendbereich“, erinnert Faber. „Aus guter Tradition und weil es uns wichtig ist, den Kindern dieses Angebot zu machen“. Genau dort sei für viele junge Sportler dann auch zum ersten Mal das besondere Gemeinschaftsgefühl im Sport spürbar. „Das verlieren wir hier nicht“ sagt Faber - und kündigt nach langer Pause auch die Rückkehr eines Herbstfestes beim TuS im nächsten Jahr an.
Von Theresa Demski, Artikel aus der Bergischen Morgenpost vom 03.11.2026

